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Gemeinsam für mehr Gerechtigkeit

WP Hagen, 15.09.2009

Hagen. Verwaltungsspitze, Kirchen und Gewerkschaften wollen künftig in einen „geordneten Dialog” zum Thema „sozial gerechte Stadt Hagen” treten.

Das kündigten der designierte Oberbürgermeister Jörg Dehm, Superintendent Bernd Becker, Dechant Dieter Osthus sowie DGB-Kreisvorsitzender Jochen Marquardt am Rande eines Besuchs von Alfred Buß, Präses der evangelischen Kirche von Westfalen, in Hagen an.

Gewerkschaftlich-kirchliches Engagement hat in Hagen seit zweieinhalb Jahren Tradition. „Dabei ist es uns immer wichtig gewesen, nicht über, sondern mit den Betroffenen zu reden”, erklärte Bernd Becker. „Die Beteiligung von Menschen ist wichtig”, unterstreicht auch Alfred Buß. „Es geht darum, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie gebraucht werden.”

"Wir sollten schnell zusammenkommen"

Jetzt eine kirchlich-gewerkschaftlich-kommunale Runde einzurichten, hält Jörg Dehm für sinnvoll. „Wir müssen gucken, welche Dinge man kommunal beeinflussen kann”, erklärt der CDU-Mann, der am 21. Oktober offiziell die Geschäfte übernimmt. Dass auch im sozialen Bereich der Druck durch getroffene Ratsentscheidungen groß sei - daraus macht Dehm keinen Hehl. „Wir sollten relativ schnell zusammenkommen. So ein Dialog auch abseits der Diskussionen im Sozialausschuss ist gut.” Auch wenn Konflikte nicht ausgeschlossen seien. „Nicht alles, was im sozialen Bereich angeboten wird, hat auch einen Nutzen. Aber wir sollten so viel soziale Gerechtigkeit schaffen wie möglich.”

Einig ist man sich darin, dass Armut nicht nur über materielle Dinge, sondern auch über Teilhabe und Ausgrenzung definiert werden muss. „Wir reden aber über Chancengleichheit und stellen Gerechtigkeit nicht her”, so Alfred Buß. Zur Eröffnung des Museums habe Bundestagspräsident Norbert Lammert gesagt, eine Stadt werde daran gemessen, wie viel Kultur sie zulasse. „Ich sage, eine Stadt wird auch daran gemessen, wie viel Armut sie zulässt”, so Dieter Osthus. DGB-Chef Jochen Marquardt mahnt: „Durch Hartz IV drohen in den nächsten Jahren in Hagen Zusatzbelastungen in Höhe von 10 Millionen Euro, gleichzeitig bricht die Gewerbesteuer ein. Wie will man da Strukturen schaffen, in denen die Menschen noch leben wollen?” Allein könne sich die Kommune nicht retten.

Tafel und Suppenküche sind nur ein Pflaster

Wo aber genau der Schlüssel für mehr soziale Gerechtigkeit in Hagen liegt - bei dieser Frage müssen auch die Verantwortlichen von Gewerkschaft und Kirchen mit den Schultern zucken. „Einrichtungen wie Tafeln oder Suppenküche sind in einer Stadt wie Hagen wichtig”, so Alfred Buß. „Sie sind aber ein Pflaster und nicht die Antwort. Die Wirtschaftstheoretiker haben uns über all die Jahre eingetrichtert, dass es der Mark schon richten werde. Wir haben es versäumt, den Finanzmärkten Zügel anzulegen.” Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise müsse man nun nicht mehr drumherumreden: „Auch Hagen steht auf der Verliererseite.”

Auch Jörg Dehm, der die Stadt aus dem Schuldenschlamassel führen soll, machte deutlich: „Bei Schulden in Höhe von einer Milliarde Euro kommen wir an einer Diskussion nicht vorbei, was die wesentliche kommunale Infrastruktur ist, die wir vorhalten müssen. Davor können wir uns nicht länger drücken.”