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Ein Bündnis für mehr Gerechtigkeit

WR Hagen, 16.09.2009

Präses Buß lobte Hagener Schulterschluss

Kirchengemeinden, Gewerkschaften und Kommunen verbinden Gemeinsamkeiten. Der demographische Wandel und die daraus mit hervorgehende Finanznot zwingt zum Umdenken, zum Beschreiten von neuen Wegen gegen Armut und soziale Ungerechtigkeit.

„Das Einrichten von Tafeln ist ein Pflaster nicht die Antwort, die wir den Menschen geben wollen", formulierte gestern das geistliche Oberhaupt der Westfälischen Landeskirche in Westfalen, Präses Alfred Buß, bei einem Informationsbesuch in Hagen. Neben Gesprächen mit Superintendent Bernd Becker, Pfarrerinnen und Pfarrern aus der Region und dem Kreissynodalvorstand stand auch ein Austausch mit dem zukünftigen Oberbürgermeister Jörg Dehm, dem DGB-Kreisvorsitzenden Jochen Marquardt und Dechant Dieter Osthus auf dem Programm. Hintergrund ist die Aktionsgemeinschaft von katholischer und evangelischer Kirche sowie dem DGB unter dem Titel „Sozial gerechte Stadt Hagen", die vor zwei Jahren gegründet wurde. Hinzu kamen Institutionen wie Caritas, Diakonie, Kolping und Gleichstellungsstelle. „Auch wir müssen uns fragen, was wir für soziale Gerechtigkeit tun. Dazu zähle ich Bildung und auch Kultur", so Buß. Gemeinsam könne man sicher eher Ziele setzen um den Menschen in einer Stadt auch wirklich zu helfen, lobte er den Zusammenschluss, dem sich gestern auch Jörg Dehm nicht verschloss. „Es ist für mich wichtig, die sozialen Probleme in einer Stadt aus verschiedenen Perspektiven zu sehen. Kirche und Gewerkschaften haben da einen direkten Zugang und können der Verwaltung helfen, nach Lösungen suchen." Dehm verschwieg aber auch nicht, dass Etatkürzungen für Jugend und Soziales in Millionenhöhe anstehen. „Eine Stadt muss sich auch daran messen lassen, wie viel Armut sie zulässt", mahnte Dechant Osthus.
Bernd Becker hob hervor, dass im Rahmen des Bündnisses nicht über Betroffene sondern mit ihnen geredet werde. „Wir müssen nicht nur Armut bekämpfen, sondern den Menschen das Gefühl geben, dass sie gebraucht werden", bekräftigte Präses Buß.

KOMMENTAR
Keine leeren Worthülsen
„Schöne Worte", so werden diejenigen denken, die sich in einer misslichen Lage befinden. Was vom Amt kommt ist nicht sozial und die Bescheide vom Arbeitsamt sind nicht gerecht. Sicher, individuelle Lösungen liegen nicht sofort auf der Hand. Dennoch führt der Schulterschluss zwischen den Kirchen und den Gewerkschaften zu einem Dialog, der alles andere als leere Worthülsen produzieren will. Kirchen wie Gewerkschaften haben Erfahrung mit Menschen in Not, in Arbeitslosigkeit und in Armut. Sie wollen nicht missionieren oder ideologisieren, sondern in dieser Stadt mit Rat und Tat zur Seite stehen, bevor bestimmte Stellschrauben im Rathaus in eine Richtung gedreht werden. Der neue Oberbürgermeister Jörg Dehm ist dialogbereit - ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.