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Rockmusik umrahmte Diskussion über die „Sozial-gerechte-Stadt Hagen“

Oberster Benediktinermönch Dr. Notker Wolf spielte Querflöte und Gitarre

Diskussion über die „Sozial-gerechte-Stadt Hagen“ einmal anders: Geistig inspiriert von dem extra aus Rom eingeflogenen obersten Benediktinermönch Dr. Notker Wolf und musikalisch umrahmt von der Rockgruppe „Feedback“ mit dem – deshalb auch als „Rockenden Abt“ bezeichneten – Chef der Benediktiner an der Querflöte und der Gitarre.

Nach einem Vortrag von Dr. Notker Wolf schloss sich eine Podiumsdiskussion mit den Hagener Vertretern des Bündnisses „Sozial-gerechte-Stadt Hagen“ Superintendent Bernd Becker von der evangelischen, Dechant Dieter Osthus von der katholischen Kirche und dem Hagener DGB-Vorsitzenden Jochen Marquardt an, die von Matthias Killing (Sat 1) moderiert wurde.

Dabei ging es um das Thema, mit dem sich das Bündnis seit seiner Gründung beschäftigt: Eine Antwort zu finden auf die Frage, wie soziale Gerechtigkeit für alle Menschen erreicht werden kann, sei es in Hagen, in Deutschland oder weltweit.

„Wir arbeiten als Kirchen und Gewerkschaft zusammen, weil wir der Auffassung sind, die sozialen Probleme der Stadt nur gemeinsam lösen zu können“, erläutert Superintendent Becker die Motivation zur Gründung des Bündnisses.

„Ob wirtschaftliches und politisches Handeln in Verantwortung vor den Menschen geschieht, zeigt sich daran, ob die Sorge um den Menschen im Zentrum des Handelns steht“, sagte Wolf.

Und er nannte vier Punkte eines, für mehr soziale Gerechtigkeit notwendigen, Paradigmenwechsels: 1. Von der Gier zu Verantwortung für alle, 2. Von der Sorge um das private Vermögen zur Mitverantwortung für das Gemeinwohl, 3. Nicht nur Teilhabe der Oberen am Bonus, sondern auch am Malus, wenn in einem Unternehmen etwas daneben laufe, 4. Globales Denken statt eines Kreisens um den eigenen Standpunkt.

Es sei wichtig, jungen Menschen wieder Grundwerte zu vermitteln wie Ehrlichkeit und Solidarität, sagte Osthus, „junge Menschen sind auf der Suche nach Orientierung.“

Darüber hinaus sei es aber auch wichtig, staatliche Stellen für einen neuen Weg zu mehr sozialer Gerechtigkeit zu motivieren.

Für den DGB-Vorsitzenden Marquardt ist dabei die Einführung eines Mindestlohns ein entscheidender Schritt auf diesem Weg.

Ein Zurück nach der Krise gebe es freilich nicht, sagte Wolf. „Die guten Zeiten kommen so nicht wieder“, prognostizierte er.

Wo nicht mehr alles bezahlt werden könne, werde das ehrenamtliche Engagement zunehmend wichtiger, so Wolf.

Hierzu könne man junge Leute durchaus motivieren, sagte Becker und erläuterte: „Im Kirchenkreis Hagen engagieren sich unglaublich viele Jugendliche ehrenamtlich. Allein 120 junge Leute nehmen derzeit an einer vierzehntägigen Schulung für Ehrenamtliche teil.“

Kritisch sieht der Superintendent allerdings die steigende Zahl der Menschen, die soziale Hilfen benötigen: Sei es in der Hagener Suppenküche, wo an Öffnungstagen mehr als 400 Essen ausgegeben werden, in Luther’s Waschsalon mit mehr als 100 Besuchern pro Öffnungstag oder beim Mittagessen im Offenen Ganztag. Hier sei die Hälfte der circa 1.000 Kinder auf die Spenden der - von der Evangelischen Jugend im Kirchenkreis Hagen ins Leben gerufenen - Kindertafel angewiesen.
„Meine Vision ist, dass diese Einrichtungen irgendwann einmal überflüssig sind“, sagte der Superintendent.