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Gemeinsamer Mahnruf für Gerechtigkeit des Evangelischen Kirchenkreises Hagen, des Kath. Dekanats Hagen-Witten und des DGB Kreisverbandes Hagen

Wir sind im Jahr 2009 Zeugen einer weltweiten Krise des Finanz- und Wirtschaftssystems, die für weite Teile der Gesellschaft erschütternde Folgen hat bzw. haben wird. Diese Krise ist aber nicht einfach vom Himmel gefallen. Sie ist das Ergebnis einer Wirtschaftspolitik, die allein den freien Markt propagiert. Eingriffe von außen – vor allem durch den Staat – seien zu unterlassen. Folgen, die auch in unserer Stadt sichtbar werden und Lösungen dringend notwendig machen:

Mehr als 30.000 Menschen in Hagen leben unter Armutsbedingungen. Mehr als 11.000 Menschen sind offiziell arbeitslos gemeldet, davon mehr als ¾ unter den Bedingungen von Hartz IV mit weiteren tausenden jungen und älteren Menschen in Bedarfsgemeinschaften. Tausende Menschen haben nur noch durch die Instrumente der Kurzarbeit einen Arbeitsplatz. Eine bedrückende Finanzlage verurteilt die Stadt in vielen Bereichen der Sozial-, Kultur-, und Bildungspolitik weithin zur Handlungsunfähigkeit. Eine Situation, die uns sehr besorgt macht und aus der Auswege gefunden werden müssen.

Die gegenwärtige Krise spitzt die bereits vorhandenen Probleme weiter zu und ist insbesondere eine Frage der „sozialen Gerechtigkeit“, wenn Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, kommende Generationen die Verschuldung abtragen müssen und die Ärmsten in der Welt noch weniger Unterstützung erhalten.

Menschen fühlen sich persönlich ungerecht behandelt und bewertet, wenn sie etwa ihr eigenes Einkommen mit überhöhten Bonizahlungen vergleichen, oder wenn sie zwar viel arbeiten, aber das Einkommen nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt der Familie zu bestreiten, oder wenn sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben wollen, aber davon ausgeschlossen bleiben, weil sie mit Harz IV leben müssen.

Die Forderung nach Gerechtigkeit ist Leitgedanke kirchlicher und gewerkschaftlicher Initiativen, auch des Bündnisses für eine sozial gerechte Stadt, dem sich seit geraumer Zeit die beiden Kirchen in Hagen und der DGB verpflichtet wissen.

Gerechtigkeit ist ein tief gehendes Bedürfnis, nach dem wir als Menschen hungern und dürsten sollen, wie Jesus in der Bergpredigt sagt. „Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden satt werden“. (Mt 5,6)

Zugrunde liegt der Vorstellung der Gerechtigkeit der Gedanke der unveräußerlichen Würde eines jeden Menschen. Deshalb müssen die sozialen Institutionen und die gesellschaftlichen Strukturen so gestaltet sein und werden, dass sie jedem Mitglied in Staat und Gesellschaft eine menschenwürdige Existenz ermöglichen.

Bezogen auf die gegenwärtige Krise sagen wir: der Testfall für soziale Gerechtigkeit ist das rechte Verhältnis von Kapital und Arbeit. Die Wirtschaft ist für den Menschen da. Nicht umgekehrt! Darin steckt die Forderung nach einer Gerechtigkeit, die dem Menschen als Individuum und als sozialem Wesen gerecht wird.

Um dem Ziel einer „sozialen Gerechtigkeit“ für alle in den kommenden Jahren gerecht(er) zu werden, braucht es für unsere Stadt Hagen eine verstärkte Kooperation und die Auseinandersetzung um die besten Wege zwischen Politik, Wirtschaft, sozialen Trägern, Gewerkschaften und auch den beiden Kirchen in Hagen. Die gegenwärtige Krise ist nicht nur eine Gefahr, sie auch eine Chance zur Umkehr und zu einem Mehr an Solidarität untereinander in der Stadt Hagen.

Für die kommenden Weihnachtstage wünschen wir eine besinnliche Zeit der Erholung und der Ruhe und ein schönes Fest. Zur Jahreswende einen guten Rutsch und gesundes und gerechtes Jahr 2010!

Bernd Becker
Superintendent
Kirchenkreis Hagen
Jochen Marquardt
Kreisvorsitzender
DGB Kreisverband Hagen
Dieter Osthus
Dechant
Dekanat Hagen-Witten